Barockarchitektur von Franz Anton Pilgram: Die Eremitage Majkpuszta

Text/Foto: akitvpihenes.hu - Okolicsányi Zoltán
Ein Abstecher von der ungarischen Autobahn M1 nach Majk (zur Kamaldulenser-Eremitage Majkpuszta) lohnt sich absolut. Es handelt sich um ein in Europa fast einzigartiges Barockensemble, das eine faszinierende Oase der Stille mitten im Vértes-Wald bietet.

Die Kamaldulenser Einsiedelei Majk und das Esterházy-Schloss in Oroszlány (Ortsteil Majkpuszta) bilden ein in Europa seltenes, barockes Denkmalensemble. Im Jahr 1733 stiftete Graf József Esterházy das Anwesen und die Ländereien den Kamaldulensern – einem katholischen Orden, der nach strengen Schweige- und Einsamkeitsregeln lebte. Der Bau: Die Pläne für das Klostergelände stammten von dem berühmten Barockbaumeister Franz Anton Pilgram. Finanziert wurde der Bau durch die Familie Esterházy und andere ungarische Adelsfamilien. Jedes der 17 Eremitenhäuschen (Zellen) trug das Wappen einer Spenderfamilie. Die Mönche lebten als Einsiedler völlig isoliert voneinander in ihren separaten Häusern mit eigenen kleinen Gärten und trafen sich nur zu gemeinsamen Messen und an Feiertagen. Im Jahr 1782 löste Kaiser Joseph II. die kontemplativen Orden, die keinen direkten Nutzen für das Gemeinwesen (wie Krankenpflege oder Unterricht) erbrachten, im gesamten Habsburgerreich auf. Die Folge: Die Kamaldulenser-Mönche mussten Majk verlassen, die Anlage ging in staatlichen Besitz über, und die Klosterkirche verfiel in den folgenden Jahrzehnten unter anderem durch einen Blitzeinschlag

Im Jahr 1806 kaufte die Familie Esterházy die Anlage zurück. Da das einstige Hauptgebäude (das Konventgebäude) nicht mehr als Kloster genutzt wurde, baute es die Familie Esterházy im 19. Jahrhundert zu einem repräsentativen Jagdschloss um. Die kleinen Eremitenhäuser dienten fortan als Wohnungen für Gutsangestellte, Forstleute und zeitweise sogar als Fabrikgebäude (z. B. für eine Tuchfabrik).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss verstaatlicht. Es diente zeitweise als Krankenhaus, Schule und später als Ferienlager. In den letzten Jahrzehnten und insbesondere durch ein großes nationales Renovierungsprogramm wurde die gesamte Anlage aufwendig restauriert. Heute ist der Komplex ein beliebtes Museum, das Besuchern einen faszinierenden Einblick in das schweigende Leben der Mönche und den späteren Glanz der Esterházy-Jagdgesellschaften bietet.

Das Chorgestühl, eine historische, kunstvoll geschnitzte Sitzreihe aus Holz, im Altarraum ist nicht echt Der Kirchturm gehört zu der einzigartigen historischen Klosteranlage. Er ist der verbliebene Turm der einstigen barocken Klosterkirche, die dem Heiligen Johannes von Nepomuk geweiht war, und überragt die kreisförmig angeordneten Eremitenhäuser der schweigenden Mönche.

Nach dem Besuch der Eremitage lohnt ein Abstecher zum Restaurant „Négy Remetéhez”. Die Geschichte des Restaurants Vendéglő a Négy Remetéhez (Restaurant „Zu den vier Einsiedlern“) ist eng mit der ungarischen Geschichte, dem berühmten Kamaldulenser-Kloster in Majk und der idyllischen Natur des Vértes-Gebirges verwoben. Nur ca. 4Km vom Kloster entfernt, in der Stadt Oroszlány, steht eines der ältesten Gebäude der Stadt: ein traditionelles Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert (Takács Imre út 22). Die Betreiber haben den historischen Charme des alten Bauernhauses bewahrt. Auch die kulinarische Philosophie, eine Mischung aus sehr deftigen, traditionellen ungarischen Gerichten, moderneren Speisen und einer bekannten Pizzabäckerei gehören mit zum täglichen Angebot.

Der Umweg von der Autobahn M1 (Ausfahrt Tatabánya-Óváros oder Tatabánya-Centrum) beträgt je nach Verkehr etwa 20 bis 25 Minuten pro Strecke (ca. 20 km Fahrt südlich in Richtung Oroszlány). Für die Besichtigung der Anlage sollte man etwa 1,5 bis 2 Stunden einplanen. Wichtiger Besuchertipp: Der offizielle Parkplatz befindet sich direkt unten am Seeufer beim modernen Empfangsgebäude. Dort muss man vorab die Eintrittskarten lösen. Vom Parkplatz/Kassenhaus läuft man dann noch gemütlich etwa 5 bis 10 Minuten durch eine Allee hinauf zum eigentlichen Klostereingang.
Öffnungszeiten: Die Majki Kamalduli Remeteség hat in der Regel von Dienstag bis Sonntag (10:00 – 18:00 Uhr) geöffnet; am Montag bleibt die Anlage geschlossen.
