Schnee, Freundschaft und Adrenalin – Erinnerungen an ein Jubiläums-Gletscherfestival

Schnee, Freundschaft und Adrenalin – Erinnerungen an ein Jubiläums-Gletscherfestival

Schnee, Freundschaft und Adrenalin – Erinnerungen an ein Jubiläums-Gletscherfestival

 

 

Text/Foto: Attila Szalay

 

Die Alpen sind bekannt für ihre besondere Welt, in der der Herbst langsam dem Winter weicht, die Berggipfel in ewigem Schnee gehüllt sind und die Grenzen der Jahreszeiten für Skifahrer fast ihre Bedeutung verlieren. Diese Welt offenbarte sich uns in Tirol, im Reich der über dreitausend Meter hohen Berge, als vier Freunde sich aufmachten, am Jubiläums-Gletscherfestival – dem 20. – teilzunehmen.

 

 Mit drei Transfers erreichen wir den Gipfel des Hintertuxer Gletschers

 

Der Plan wurde nicht nur von der Leidenschaft fürs Skifahren motiviert, sondern auch vom traditionellen Wettbewerb des Festivals, der in seiner Blütezeit fast tausend Winterbegeisterte anzog. Leider musste der traditionelle Wettbewerb dieses Mal aufgrund der negativen Corona-Maßnahmen abgesagt werden. So stieg ein Viertel von uns ins Auto (für drei Nächte, ein verlängertes Wochenende) und machte sich auf die rund 700 Kilometer lange Reise. Das Ziel war eines der beeindruckendsten Skiparadiese Österreichs, die Tiroler Gletscherwelt – inklusive des Zillertals (Hintertux).

Eine solche Reise wird jedoch nicht nur durch den Ort, sondern auch durch die Mitreisenden unvergesslich. Es lohnt sich, das Team vorzustellen, dessen gemeinsamer Nenner die Leidenschaft für den Sport, die Abenteuerlust und die Freundschaft waren. Latyi machte sich mit seinen Ergebnissen bei verschiedenen nationalen und internationalen Wettkämpfen in der Arena in Eplény (am Ámos-Berg in Bakony) einen Namen. Józsi war einst Kampfpilot und ist seit Jahren als Skilehrer und Gleitschirmflieger aktiv. Beide tragen den Rang eines Oberstleutnants und sind langjährige Freunde. Das jüngste Mitglied der Gruppe, András, ist ein Karateka mit schwarzem Gürtel, der dieses Mal auch sein Können im Snowboarden unter Beweis stellte. Attila, der Texter, stieß als Ältester, aber keineswegs als der am wenigsten Begeisterte, zum Team hinzu und war der Kopf hinter dem gesamten Programm. Wenn wir das Quartett kurz beschreiben müssten: zwei alte Hasen (über sechzig) und zwei Jüngere (unter sechzig) – allesamt Sportfanatiker im wahrsten Sinne des Wortes.

 

 

 In Rot (vorne): Józsi und Attila, die „Alten Hasen“, Latyi und András, die „Jungen Hasen“.

 

Österreich, das Land der beiden Schwager, birgt unzählige Naturschätze, doch die Gletscherwelt der Alpen bietet ein ganz besonderes Erlebnis. Der Anblick ist fast unbeschreiblich: die monumentalen Berggipfel, die scheinbar endlosen Schneefelder und die kristallklare Höhenluft hinterlassen einen unvergesslichen Eindruck. Ich empfehle allen, die dieses Skiparadies näher kennenlernen möchten, die offiziellen Webseiten zu besuchen. Anhand der detaillierten Informationen, der Pistenbeschreibung und der Servicepräsentation konnten wir uns bereits vor der Reise einen Eindruck von den vielfältigen Möglichkeiten dieser besonderen Bergwelt verschaffen (www.hintertuxergletscher.at). Auch der Vergleich mit dem besten Skigebiet unseres Landes, dem Skizentrum im bereits erwähnten Bakony, ist nicht zu verachten. Dieser Unterschied schmälert jedoch nicht die Qualität der heimischen Angebote, sondern verdeutlicht vielmehr die Dimensionen der Tiroler Infrastruktur, des Pistennetzes und der Serviceleistungen.

Wir legten täglich fast fünfzig Kilometer auf den Skipisten des Gletschers zurück und testeten neben beheizten Hütten auch einige Schlepplifte. Letztere waren stellenweise mindestens genauso anstrengend wie die Abfahrt selbst. Nach einem solchen Tag ist eine gute Kondition unerlässlich. Besonders für jemanden wie mich, der als am wenigsten trainiertes Mitglied der Gruppe versuchte, mit den Profis mitzuhalten.

 

  

 Die traumhaften Pisten nehmen Gestalt an

 

Die Pisten, die auf über dreitausend Metern Höhe beginnen, sind eine ganz andere Dimension. Der Anblick der schwarzen Pisten ist auf den ersten Blick beeindruckend, besonders wenn man sieht, mit welcher Souveränität die Athleten der zwölf internationalen Teams sie in Angriff nehmen. Der Gletscher ist nicht nur ein Paradies für Amateurskifahrer. Ausgewählte Athleten (meist Junioren) aus über zehn Ländern kommen täglich hierher und trainieren das ganze Jahr über, sogar in den Sommermonaten.

 

  

 Schneemobil-Spaß

 

Der Mut und das technische Können der Nationalmannschaften waren beeindruckend. Wir hingegen – mit ausreichendem Selbstbewusstsein und etwas Weisheit – entschieden uns, auf den roten Pisten zu bleiben, die den mittleren Schwierigkeitsgrad darstellen. Am Ende des Tages verabschiedeten wir uns vom Skifahren auf den angenehmeren blauen Pisten. Schließlich ist es keine Schande, seine Grenzen zu kennen. Im Gegenteil, dies ist vielleicht eine der wichtigsten Voraussetzungen, um diesen wunderbaren Sport lange genießen zu können. Ich habe auf der Reise viele unvergessliche Momente erlebt, aber einer davon ist mir besonders wichtig: das Thema ausreichende Versicherung. Viele Menschen nehmen dieses Thema nicht so ernst. Das übliche Argument lautet oft: „Uns wird schon nichts passieren!“ Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es genau in solchen Situationen wichtig ist, sich ausreichend zu versichern.

 

Die Erfahrung zeigt, dass solches Selbstvertrauen das größte Risiko darstellen kann. Selbst der bestvorbereitete Skifahrer kann am Berg verunglücken. Gelbe Rettungshubschrauber erscheinen mehrmals täglich an den Pisten und eilen Sportlern in Not zu Hilfe.

 

  

  Hubschrauberrettung fast ununterbrochen im Einsatz

 

Diese Luftrettungen sind nicht nur spektakulär, sondern auch extrem kostspielig. Die Kosten einer solchen Rettung können leicht eine Million Forint erreichen, und bei schwereren Verletzungen, Krankenhausbehandlung oder Rücktransport können die Gesamtkosten sogar um ein Vielfaches höher ausfallen. Deshalb ist eine angemessene Passagier- und Sportversicherung keine unnötige Ausgabe, sondern ein wesentlicher Bestandteil verantwortungsvollen Sports. In den Bergen gelten die Naturgesetze, und die beste Technik und die größte Routine bieten keinen vollständigen Schutz vor unvorhergesehenen Ereignissen. Daher mein einziger Rat an alle (mich eingeschlossen), die sich auf eine ähnliche Reise begeben: Vergessen Sie neben der Skiausrüstung nicht die Versicherung!

Neben den vielen sportlichen Erlebnissen und Bergabenteuern sind die schönsten Erinnerungen natürlich die Begegnungen mit anderen Menschen. Manchmal bildeten sich lange Schlangen an den Liften, doch selbst die Wartezeit hielt angenehme Überraschungen bereit. Einmal kamen wir mit einem netten jungen slowakischen Mädchen ins Gespräch, das mit ihren Vereinsfreundinnen zum Gletscher gekommen war, um sich auf einen Wettkampf vorzubereiten. Annácska (11 Jahre) wich bescheiden allen Fragen nach ihren eigenen Erfolgen mit ihren Freundinnen in Profi-Vereinskleidung aus – so stellte sie sich vor. Ihr Bruder könne sich bereits eines nationalen Jugendmeistertitels rühmen, das Engagement der Familie im Leistungssport war also kein Geheimnis.

 

  

 Trotz des großen Andrangs mussten wir nicht lange warten…

 

Solche kleinen Begegnungen machen die Reise erst richtig menschlich. Denn neben Bergen, Schnee und Sport sind es letztendlich die Erlebnisse, Gespräche und neuen Bekanntschaften, die wir mit nach Hause nehmen. Doch die beeindruckenden Berggipfel und die tolle Gesellschaft von Freunden reichen völlig aus, um ein langes Oktoberwochenende noch lange in Erinnerung zu behalten.

 

Für uns war all dies mehr als nur ein Sportereignis. Es ist ein weiterer Beweis dafür, dass Abenteuerlust nicht vom Alter abhängt, Freundschaft keine Generationengrenzen kennt und die Liebe zum Sport uns auch nach dem sechzigsten Lebensjahr immer wieder neue Ziele geben kann. Denn es geht vielleicht nicht darum, wie schnell jemand den Berg hinunterfährt oder wie viele Kilometer er an einem Tag zurücklegt. Es geht vielmehr darum, jemanden zu haben, mit dem man gemeinsam losziehen kann, die Kraft zu besitzen, den Gipfel zu erreichen, und genug Begeisterung, um immer wieder aufzubrechen. Und auch dieses Mal haben wir die Herausforderung angenommen!

 

 

2026-11-04« Vissza
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